Persönliche Worte von Martin Woodtli

Liebe Interessentin, lieber Interessent



Ich freue mich sehr, dass Sie sich für unser Angebot interessieren.

Am 6. Dezember 2013 feierten wir das 10jährige Jubiläum von Baan Kamlangchay und dürfen auf unzählige bewegte und erfüllende Stunden zurückblicken. An dieser Stelle danken wir nochmals den beiden Schweizer Musikern Linard Bardill und Walter Lietha, die das bekannte Schweizerlied „Lueget vo Berg und Tal“ zusammen mit unseren demenzkranken Gästen und unseren Betreuerinnen eingeübt und erfolgreich vorgespielt haben.

Ich habe mich damals im Herbst 2003 für einen Weg entschieden, den ich nie bereut habe. Nach dem Freitod meines Vaters im Frühjahr 2002 übernahm ich in der Schweiz die Betreuung meiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Neun Monate später wanderte ich mit ihr nach Thailand aus, wohl wissend, dass ich mich auf ein Experiment mit ungewissem Ausgang einlasse. Meine Mutter fühlte sich in der neuen Heimat den Umständen entsprechend sehr wohl. Den ursprünglichen Plan, in Thailand eine neue Anstellung zu suchen, liess ich fallen und gründete im Jahr 2003 stattdessen „Baan Kamlangchay“. Ich wollte die neuen Erfahrungen mit meiner Mutter auch an andere demenzkranke Menschen weitergeben. Die anfängliche kleine Wohngemeinschaft entwickelte sich während den vergangenen 10 Jahren zu einer Grossfamilie. Mit meiner Familie, unseren demenzkranken Gästen und den Betreuerinnen leben wir integriert in Faham Village, einem Vorort von Chiang Mai.

Was hat dazu geführt, dass Baan Kamlangchay so bekannt
und erfolgreich geworden ist?

Ich setze es im Wesentlichen mit dem Pioniergeist von mir und meiner Mutter in Verbindung. Ermutigt und motiviert hat mich sicher auch die Tatsache, dass aus einer tragischen Familiensituation ein neues Lebenswerk entstehen konnte. Eine Grossfamilie eben, die in ihrem Wirken stets überschaubar bleibt und zu einem festen Bestandteil des Dorflebens geworden ist.

Die thailändischen Betreuerinnen und Betreuer sind die eigentlichen Schlüsselpersonen. Sie kümmern sich tagtäglich liebevoll um unsere demenzkranken Gäste. Die niedrige Fluktuationsrate in den vergangenen Jahren und das grosse Interesse, für Baan Kamlangchay zu arbeiten, zeigt deutlich, dass die Angestellten sich in unserer Familie wohl fühlen.

Baan Kamlangchay wurde in den letzten Jahren vermehrt zu einem begehrten Besuchsziel für Fachpersonen, Medien- und seit jüngster Zeit auch Kulturschaffende. Im May 2013 veröffentlichte ich beim Weltbild Verlag mein Buch „Mit Alzheimer im Land des Lächelns“. Beim Schreiben des Buches entdeckte ich, wie wichtig der Ausdruck des Erlebten sein kann. Weitere Projekte wie zum Beispiel ein Theaterstück und ein Musikexperiment sind in Bearbeitung. Ich bin gespannt, was Baan Kamlangchay noch alles bewegen kann.

Ist Thailand nun ein Paradies für demenzkranke Europäer?

Die Bedingungen in Thailand sind wohl ideal. Thailänderinnen und Thailänder haben älteren Menschen gegenüber jenen Respekt und die zärtliche Zuwendung, an denen es bei uns zu Hause eher mangelt. Damit diese wertvollen, menschlichen Qualitäten jedoch auch wirklich genutzt werden können, müssen wir sinnvolle Rahmenbedingungen schaffen. Es sind familiäre und integrative Strukturen, in denen thailändische Betreuerinnen und Betreuer sich entfalten und wohlfühlen können. Ich verstehe Baan Kamlangchay als Nischenangebot. Entstanden aus meiner persönlichen Biografie. Als ein neues Modell, in dem der demenzkranke Mensch im Mittelpunkt steht. Neue, menschenwürdige Modelle können wir überall entwickeln und realisieren. Das muss nicht per se Thailand sein.



Als zwischenmenschlich und gesundheitspolitisch fragwürdig erachte ich, grosse Demenzressorts oder lukrative Pflegeheime in Thailand zu errichten, wie sie derzeit von Investoren geplant werden. Von solchen Vorhaben möchte ich mich distanzieren und nicht verwechselt werden. Ich bin überzeugt, dass die Qualität in der Überschaubarkeit und familiären Betreuung liegt. In den kleinen Abenteuern während der Ausflüge und im Erleben und Wahrnehmen der Umgebung. Die intime und individuelle Atmosphäre einer Grossfamilie inmitten eines Wohnquartiers in Thailand ermöglicht tagtäglich jene menschliche Nähe, die demenzkranke Menschen benötigen.

Vielleicht habe ich Sie neugierig gemacht. Vielleicht habe ich zusätzliche Fragen ausgelöst.

In beiden Fällen können Sie sich jederzeit an mich wenden. Für Informationen betreffs eines Aufenthaltes bei uns telefoniere ich sehr gerne mit Ihnen und berate Sie.

Martin Woodtli Leiter Baan Kamlangchay
Chiang Mai, 16. Januar 2014